Schilderungen vom Landeskrankenhaus Wagna einst und jetzt
Obwohl ich erst seit meiner Heirat von Leibnitz nach Wagna übersiedelt bin, habe ich ein einschneidendes Erlebnis aus meiner Kindheit bis heute in meinem Gedächtnis. Im Jahre 1947, im Alter von fünf Jahren, musste mein Blinddarm herausgenommen werden. Ich kam in das Barackenspital nach Wagna, der weiß angestrichene Teil war für die „normalen Krankheiten“ und die eher rosa gefärbte Baracke war damals für die infektiösen Krankheiten vorgesehen – das sogenannte Isolierspital.
Meine Eltern erklärten mir damals, ich bräuchte nur bis zehn zählen und schon würde ich einschlafen und nichts mehr spüren. Als ich auf dem OP-Tisch lag, sagte der Arzt zu mir, ich solle blasen – da war ich innerlich schon beleidigt, da ich damals bereits bis zehn zählen konnte. Eine Art Gummimaske wurde mir über das Gesicht gestülpt, die entsetzlich gestunken hat und ich machte halt einen Blaser und wollte wissen, wie es nun weitergeht. Als der Operateur dann auf meinem Bauch die OP-Linie angeritzt hatte und mir ein „AU“ entkam, hörte ich noch, wie der Arzt sagte: „wirst du nicht endlich blasen“ und danach war ich weg. In Erinnerung blieb mir noch von der Operation, dass der Arzt außergewöhnlich große Nasenlöcher hatte, aber das kam bestimmt nur mir als Kind so vor. Nach der Operation musste ich acht Tage lang im Bett liegen bleiben und nur mit viel Bitten und Betteln durfte ich im Bett – rechts und links von einer Schwester gehalten – einmal hin und her gehen. Das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen.
Ganz besonders in Erinnerung ist mir geblieben, dass es jeden Abend als Nachtmahl einen Grießkoch gab und das war eines der wenigen Essen, die ich nicht mochte. Als eines Abends eine Schwester mit einer Portion Bohnen ins Zimmer kam und frage, ob jemand sie möchte, meldete ich mich sofort. Mein Glück dauerte leider nur zwei Bissen und schon wurde mir mein Essen von der Oberschwester weggenommen mit der Erklärung, dass frisch operierte keine Bohnen essen dürfen. Die Schwestern trugen damals riesige Flügelhauben und sahen für mich als Kind furchterregend aus.
Gott sei Dank hat sich seither vieles verändert, die Medizin machte viele Fortschritte und die Aufenthaltsdauer hat sich sehr verkürzt. Von der Narkose spürt man kaum etwas und das neue, in den 60er Jahren erbaute Krankenhaus kann man mit dem alten Barackenspital überhaupt nicht vergleichen. Die einzige Sorge, die ich zur Zeit habe ist, dass im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen unser LKH geschlossen werden könnte. Die Geburtenstation wurde ja bereits zum Nachteil der Bevölkerung verlegt. Aber hoffen wir das Beste, dass alles so bleiben sollte wie es ist.
Schriftliche Einsendung von Frau Margit Gruber, Februar 2022