Erinnerungsort Wagna


Maria Hierzinger

„In Wagna hab ich mich immer wohlgefühlt.“

Ich kam im März 1944 in Wagna zur Welt und lebe seitdem in meinem Haus in der Marburger Straße. Wagna ist für mich ein wundervoller Ort. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, woanders zu sein. Alles, was ich brauche, ist in der Nähe.

Meine Großmutter war Magd und wurde vom Bauernsohn schwanger. Nachdem meine Mutter geboren wurde und noch nicht einmal gehen konnte, wurde sie zur Familie Wolf in Landscha gegeben. Meine Großmutter verließ sie und ging nach Graz. Ein altes Bild, das ich noch im Kopf habe, zeigt meine Mutter als Dirndl mit ihren Pflegeeltern. In Gabersdorf blieb sie, bis sie etwa 30 Jahre alt war. Meine Mutter war Schneidermeisterin und mein Vater, ein Aflenzer, arbeitete bei Assmann. Die beiden lernten sich kennen, als mein Vater sich von ihr etwas nähen lassen wollte.

Ich besuchte die Volksschule und Hauptschule in Leibnitz. Zwischen der ersten und zweiten sowie der dritten und vierten Klasse wurde ich vom Industriellenverein nach Weißensee auf Urlaub geschickt. Meine Kindheit war schön, aber ich musste früh Verantwortung übernehmen und überall helfen. Ich bin früh gefordert geworden und hab eigentlich immer fest arbeiten müssen, aber das war ganz normal. Mit zehn oder elf Jahren radelte ich schon mit meinem alten Rad zum Dienstmädchen bis nach Werndorf. Ich war also früh selbständig. Als mein Vater keine Kinderbeihilfe mehr bekam, begann ich bei der Firma Fink zu arbeiten.

Lernen konnte ich nicht gehen, weil meine Mutter viel zu nähen hatte und wir auch Viecher daheim hatten. Also blieb ich eben zu Hause, um zu helfen. Meine Mutter schickte mich oft einkaufen. Es gab ein kleines Geschäft namens Christof in Wagna, wo später das Tanzcafé Franz war. Ich erinnere mich an die alten Leute im Laden. Wenn unsere Geißen keine Milch hatten, holten wir welche dort. Den Konsum gab es auch, und die Tochter des Gasthofs Wiedenbauer hatte ein Lebensmittelgeschäft. Unten in Kleinwagna gab es vor dem Neuhold auch ein Lebensmittelgeschäft. Es hatte verschiedene Pächter, bis es schließlich geschlossen wurde. Gegenüber von Neuhold war das Gasthaus Hofer.

Ich lernte meinen Mann bei der Arbeiterjugend kennen und heiratete ihn 1963. Zwischen 1964 und 1982 wurden unsere fünf Kinder geboren. Es war viel Arbeit, aber damals hatten die Leute überall mehr Kinder. Die Zeiten haben sich eben geändert. Mein Mann und ich führten eine gute Ehe, 37 Jahre lang. Jetzt lebe ich alleine, sparsam und bin etwas streng, aber das geht nicht anders. Ich bin pflichtbewusst. So wurde ich erzogen.

„Das war meine Erstkommunion – das Kleiderl, das war leicht rosarot, das hat die Mutter schon so genäht, dass ich das zur Firmung mit 11 Jahren auch tragen hab können.“


Maria Hierzinger

 ist im März 1944 in Wagna geboren und hier aufgewachsen. Sie ist in Leibnitz zur Schule gegangen und musste schon als junges Mädchen in der Familie aushelfen und deswegen auf einen Lehrberuf verzichten. Dennoch verbindet sie sehr schöne Erinnerungen an ihre Kindheit in Wagna, wo sie heute noch zufrieden lebt.

Maria Hierzinger kommt mich am 4. Juli 2022 im Gemeindeamt besuchen. Sie hat ein Fotoalbum mit und blättert es gemeinsam mit mir durch. Da kommen so manche Erinnerungen hoch. Maria Hierzinger ist in Wagna geboren und hat ihre Heimat seitdem nie verlassen – auch nie das Bedürfnis dazu verspürt. Sie ist zufrieden, hat hier in der Umgebung alles, was sie braucht.


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